BMW-Werk Leipzig: Vorreiterrolle in der Digitalisierung von Produktionsprozessen
Die BMW Group treibt die Digitalisierung ihrer Produktionsprozesse konsequent voran. In der Technologie Exterieur Komponenten (TEK) am Standort Leipzig kommt erstmals ein terahertzbasiertes Messsystem zur zerstörungsfreien Bestimmung von Lackschichtdicken an Kunststoffbauteilen zum Einsatz.
Die neu industrialisierte Technologie ermöglicht eine automatisierte, präzise und reproduzierbare Qualitätsprüfung direkt im Produktionsprozess. „Mit der Terahertz‑Messtechnik ersetzen wir ein aufwendiges, manuelles Prüfverfahren durch eine vollständig automatisierte Lösung und heben die Qualitätssicherung auf ein neues Niveau“, sagt Christoph Theiselmann, Leiter der Technologie Exterieur Komponenten Leipzig.
Mit der Industrialisierung der Terahertz‑Messtechnik übernimmt die TEK Leipzig eine doppelte Vorreiterrolle: Innerhalb der BMW Group ist die Hausfertigung der erste Standort, der diese Technologie in das Produktionssystem integriert. Gleichzeitig setzt die TEK Leipzig auch im Kunststoffbereich neue Maßstäbe, da die Terahertz‑Messtechnik erstmals zur Prüfung von Lackschichtdicken an Kunststoffkomponenten eingesetzt wird.
Nach der erfolgreichen Pilot‑ und Anlaufphase wurden alle Skidtypen, das heißt die verschiedenen Bauteil-Trägersysteme, für die Messung befähigt. Aktuell erfolgt die schrittweise Befähigung aller Farben. Die Technologie bietet großes Potenzial für den Einsatz in weiteren Werken, insbesondere im Bereich der lackierten Karosserie sowie im Lieferantennetzwerk.
Die Technologie Exterieur Komponenten ist als Organisationseinheit des Ressorts Einkauf und Lieferantennetzwerk am Standort Leipzig angesiedelt. Mit ihren 450 Mitarbeitenden ist sie auf die Herstellung von Kunststoffaußenhautteilen im Spritzgussverfahren spezialisiert, z. B. Stoßfänger, Schweller oder Spoiler. Neben Leipzig werden auch die BMW Group Werke Dingolfing und Regensburg mit den Komponenten beliefert.
Zur Technologie
Bislang erfolgte die Prüfung der Lackschichtdicken von Kunststoffbauteilen in der TEK Leipzig manuell und zerstörend mittels Skalpellschnitt und Mikroskop. Die Prüfteile erzeugten Ausschuss und Abweichungen konnten häufig erst zeitverzögert erkannt werden.
Mit der Terahertz‑Messtechnik wird dieser Prozess grundlegend verändert: Die Sensoren sind an zwei Robotern in der bestehenden End-of-Line-Messzelle integriert und werden automatisch und hochpräzise am Bauteil positioniert. Aus der Laufzeit der reflektierten Terahertz‑Wellen wird die Dicke der einzelnen Lackschichten berechnet. Die Messung erfolgt innerhalb weniger Sekunden auf einen Mikrometer genau.
Die neue Technologie ermöglicht objektive und reproduzierbare Messergebnisse sowie die frühzeitige Erkennung von Prozessabweichungen. Durch die zerstörungsfreie Prüfung werden Ausschuss und Materialverbrauch reduziert, während Prozess- und Kosteneffizienz steigen. Gleichzeitig erhöhen digitale Messdaten die Transparenz im Produktionsprozess und schaffen die Grundlage für eine datenbasierte Prozesssteuerung.