Impulse für die Lebensmittelbranche: Nachwuchspreise beim 10. Mitteldeutschen Ernährungsgipfel verliehen

Am 29. September wurden in Erfurt im Rahmen des Nachwuchsforums zum 10. Mitteldeutschen Ernährungsgipfel drei herausragende und zukunftsweisende Abschlussarbeiten für die Lebensmittelbranche mit dem Nachwuchspreis ausgezeichnet.

Preisträger des Nachwuchspreises des 10. Mitteldeutschen Ernährungsgipfels von links nach rechts: Nico Richter, Jan Ferdinand Horneck, Emily Kutz
Source Thüringer Ernährungsnetzwerk e. V. / Mario Hochhaus

Von Qualitätsmanagementlösungen über den Einsatz von KI, Produktentwicklungen und funktionellen Zusätzen in Lebensmitteln bis zu zielgruppenspezifischen Marketingstrategien – die Bewerbungen zeigten erneut die vielfältigen Herausforderungen, vor denen die Unternehmen der Ernährungswirtschaft stehen und welche kreativen und innovativen Lösungen dafür möglich sind. Die Initiative, getragen von den Netzwerken der mitteldeutschen Ernährungswirtschaft und der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS), würdigte bereits zum fünften Mal den Nachwuchs der Branche.

Mit dem Nachwuchspreis des 10. Mitteldeutschen Ernährungsgipfels 2026 wurden ausgezeichnet:

  • Emily Kutz, B. Sc. (Duale Hochschule Sachsen, Staatliche Studienakademie Plauen): Photometrische Bestimmung der Peroxidzahl zur Bewertung des Alterungsprozesses von teigummantelten Erdnüssen
    In Lebensmittelbetrieben wird die Kontrolle der Qualität immer wichtiger. Dafür werden schnelle und zuverlässige Testmethoden gebraucht. Während die Haltbarkeit bisher vor allem durch sensorische Tests und aufwändige nasschemische Analysen bestimmt wurde, bestätigt die Arbeit die photometrische Schnellmethode als zuverlässige und zeitsparende Alternative. Sie ermöglicht eine deutlich vereinfachte Probenvorbereitung, reduziert den Chemikalienverbrauch und den Schulungsaufwand für das Personal. Zudem liefert sie auch bei komplexen Proben verlässliche Werte. Die Arbeit bietet somit großes Transferpotential und unterstützt eine praxisorientierte, ressourcenschonende Weiterentwicklung der Qualitätskontrolle.
  • Nico Richter, B. Eng. (Hochschule Mittweida): Einführung KI-gestützter Bestellsoftware im filialisierten Lebensmitteleinzelhandel - Chancen, Herausforderungen und Akzeptanz am Beispiel der Unternehmensgruppe »RICHTER Erzgebirge«
    Die Arbeit zeigt, dass Künstliche Intelligenz (KI) Bestellprozesse im Lebensmitteleinzelhandel verbessern kann. Damit können Fehl- oder Übermengen reduziert, Mitarbeiter unterstützt und Betriebsergebnisse verbessert werden. Wichtig ist, dass die Abläufe klar strukturiert sind, die Datenqualität stimmt und die Mitarbeiter die neue Technik akzeptieren. Für die Einführung werden drei Schritte empfohlen: Im ersten Schritt wird die Daten- und Prozessreife hergestellt, dann wird die KI mit definierten KPIs in einer Testfiliale ausprobiert, und danach Schritt für Schritt im gesamten Filialnetz und Unternehmen eingeführt. Die Ergebnisse liefern eine direkte Entscheidungsgrundlage für KMU und zeigen, wie KI-basierte Bedarfsprognosen Effizienz, Frische und Nachhaltigkeit im Lebensmitteleinzelhandel fördern können.
  • Jan Ferdinand Horneck, Dipl.-Lebensmittelchemiker (TU Dresden): Seleninduzierte Fehlaromen in Bier
    Selen gilt als wichtiges Spurenelement, dessen gezielte Anreicherung in Lebensmitteln an Bedeutung gewinnt. Die Arbeit untersucht am Beispiel Bier sowohl sensorische als auch technologische Herausforderungen, die die Selenanreicherung in fermentierten Lebensmitteln mit sich bringt. Die Ergebnisse zeigen, dass Selen je nach Hefestamm und Herstellungsverfahren die Fermentation beeinflusst und zu unerwünschten Fehlaromen führen kann. Die Arbeit liefert wichtige Erkenntnisse zur Balance zwischen ernährungsphysiologischem Mehrwert, Produktqualität und Prozessstabilität und empfiehlt produktspezifische Prüfungen bei der Entwicklung selenangereicherter Lebensmittel. Die angewandte Methodik bietet zudem ein hohes Transferpotential für die Bewertung funktioneller Zusatzstoffe in weiteren fermentierten Lebensmitteln und unterstützt so die Entwicklung innovativer, funktioneller Produkte in der Lebensmittelindustrie.

“Herzlichen Glückwunsch an die drei Preisträger des Nachwuchsforums, die mit ihren innovativen Arbeiten die Jury überzeugt haben. Zwei der Arbeiten waren direkt mit Unternehmen verknüpft und die Lösungen können sich jetzt im betrieblichen Alltag bewähren. Das Nachwuchsforum ist mittlerweile fester Bestandteil der Veranstaltung und zeigt, wie groß der Bedarf und das Interesse bei den Unternehmen ist, sich kompetente Unterstützung zu holen. Von den Projektergebnissen profitiert schlussendlich die ganze Branche, wenn es darum geht, sowohl die Innovationskraft im Mittelstand als auch die Wettbewerbsfähigkeit der Ernährungswirtschaft zu stärken. Schließlich ist die Ernährungsindustrie in Sachsen ein wichtiger Wirtschaftszweig”, erklärt WFS-Geschäftsführer Thomas Horn.

  • Nachwuchspreis der Ernährungswirtschaft

Ziel des Nachwuchspreises ist es, Unternehmen stärker in Forschungsthemen einzubinden, Betriebe frühzeitig mit Fach- und Nachwuchsführungskräften zu vernetzen sowie einen kontinuierlichen Dialog mit den Bildungseinrichtungen zu Forschungs- und Studieninhalten zu etablieren. Bewerben konnten sich Studierende von Hochschulen, Fachhochschulen und Dualen Hochschulen oder aus Unternehmen der Bundesländer Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen, die ihre Abschlussarbeit (Bachelor, Master, Diplom) bereits erfolgreich beendet haben. Die Preisträger erhalten jeweils ein Preisgeld von 1.000 Euro, das von den Netzwerken der drei Bundesländer gestiftet wird. Eine Jury aus Vertretern der Netzwerke, Unternehmen und Partnerhochschulen wählte auf Basis eines Bewertungskatalogs aus den eingegangenen Bewerbungen drei gleichgestellte Preisträger aus.

Wesentliche Erfolgskriterien waren die hervorgehobene Relevanz für den unternehmerischen Alltag in kleinen und mittelständischen Unternehmen der Ernährungswirtschaft sowie ein ausgeprägtes Transferpotenzial für den vorgestellten innovativen Lösungsansatz. Ab dem kommenden Jahrgang öffnet sich der Wettbewerb auch für studentische Projektarbeiten, um noch mehr kreative Ansätze und praxisnahe Lösungen zu fördern.

  • Mitteldeutscher Ernährungsgipfel

Der Mitteldeutsche Ernährungsgipfel ist der zentrale Branchentermin der Ernährungswirtschaft in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Auf der von den Ernährungsnetzwerken der drei Länder ausgerichteten Veranstaltung treffen sich Entscheider aus dem produzierenden Lebensmittelgewerbe mit Vertretern aus Landwirtschaft, Lebensmittelhandel, Wissenschaft und Forschung sowie Dienstleistern der Branche zum Austausch über aktuelle Themen der Ernährungswirtschaft.

Das Projekt wurde mit Mitteln des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) und der IHK Dresden unterstützt.

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